Frage: Kämpfen und Spiel

Lieber Dr. Posth Mein Sohn (4) und seine Cousins (3 und 5 Jahre) spielen gerne mit Stöcken, die für sie Waffen darstellen. Auch mit der Hand spielen sie Waffen nach. Das beunruhigt mich und meine Schwester sehr. Wir erziehen die Kinder absolut gewaltfrei, sie schauen kaum fern, wir sind viel in der Natur. Dennoch raufen sie oft und tun so als hätten sie Waffen. Woher kommt diese Faszination? Warum sehen wir das nur bei Jungs? Wir versuchen sie abzulenken, für andere Dinge zu interessieren. Das klappt auch, aber dann überwiegt doch wieder die Faszination, zu raufen, sich zu verfolgen usw. Sie spielen Jäger, Polizei, auch Rettung und Feuerwehr (also ohne Waffen). Wie kann man damit umgehen? Wir erklären ihnen, wie viel Schlechtes Waffen anrichten und dass die Polizei diese nur anwenden, wenn das Leben eines anderen in Gefahr ist. Sind solche Erklärungen sinnvoll? Soll man sie lassen, weil es sich von selbst legt, oder immer wieder ablenken? Übrigens: Sie gehen Kindergarten. Danke!

Mitglied inaktiv - 11.05.2009, 11:36



Antwort auf: Kämpfen und Spiel

Stichwort: Kampfspiele bei Kleinkindern Hallo, das Lebensprinzip Kampf mit Angriff und Selbstschutz(Verteidigung), sowie Siegen und Überleben und Unterliegen und in Gefahr geraten ist angeboren. Ca. 1 Mill. Jahre Menschheitsgeschichte haben ihre Spuren in den Genen hinterlassen. Das hat aber nicht direkt etwas mit dem Darwinschen Evolutionsprinzip zu tun "the fittest survives". Denn Kämpfen und Siegen ist nicht "the fittest", sondern nur "the strongest". Die Anpassung an die Daseinsbedingungen, um als Spezies weiter zu existieren, erfordert weit mehr als Kämpfen. Die Menschen haben die Urzeit vor allem deswegen überlebt, weil sie gelernt haben, durch ihr Sozialisationsprinzip und durch ihre dabei entwickelte Methode, den Überlebens-Kampf zu symbolisieren, den Konkurrenzdruck innerhalb der Gruppe auszugleichen. Denn Menschen sind höchst individuelle Wesen, die aufgrund ihrer vergleichbar körperlichen Schwachheit nur in der Gruppe überleben konnten, und um diesen Widerspruch zu lösen dieses komplexe Sozialisations-Prinzip entwickeln mussten. Teil dieses Prinzips ist der ritualisierte Kampf innerhalb der Gruppe, der dem Erhalt der Individualität dient. Die Kinder spüren diesen Druck noch am schärfsten, weil ihnen Sitten, Normen und Gebräuche zur Regelung sozialer Spannungen weitgehend unbekannt sind. Sie lernen sie in einer guten Familie und einer funktionierenden sozialen Gruppe Schritt für Schritt. Das alte Kampfprinzip behält aber im Kampf-Spiel vorläufig seine Gültigkeit. Auch in der Erwachsenenwelt geht es damit weiter vor allem im Sport und Wettbewerb. Jungen sind durch ihre hormonelle Prägung von all dem stärker betroffen als Mädchen. Die fechten Ihre Konkurrenz vorzugsweise in sozialen Ränkespielen aus und erfüllen auf diese Weise ihre natürliche Aufgabe. Ausnahmen bestätigen auch hierbei wieder die Regel. Viele Grüße

von Dr. med. Rüdiger Posth am 14.05.2009



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